Quälende Erinnerungen haben viele Facetten, manchmal entstanden Sie durch unsere Sünden, manchmal durch Leid, das uns andere zugefügt haben. DasHeft #12 der kleinen Seelsorgereihe Quälende Erinnerungen konzentriert sich auf Erinnerungen, die primär mit der eigenen Sünde zu tun haben. Ihr könnt euch das Heft auch als Mp3-Version anhören – Link unten.

Quälende Erinnerungen

Von düsteren Erinnerungen geplagt, gelang es Hanna gerade einmal, einen Tag nach dem anderen irgendwie zu überstehen. Die sexuellen Sünden ihrer Vergangenheit und ihr Selbstmordversuch machten ihr tagtäglich zu schaffen. Seit Jan kurz nach ihrer Hochzeit von diesen Dingen erfahren hatte, versuchte er nach Kräften, seine Frau zu unterstützen. Doch die Tatsache, dass sie Jan ihre Sünden verschwiegen hatte, verstärkte Hannas Schuldgefühle noch zusätzlich. Tag und Nacht hing eine Wolke der Bedrückung über ihr, während sie über ihre Vergangenheit nachsann. Der Umstand, dass sie bereits Christ gewesen war, als sie diese Sünden begangen hatte, verdoppelte ihr Elend. Sie hatte es besser gewusst, und nun hasste sie ihr Leben.

Auch Tim wurde von seiner Vergangenheit verfolgt. Sein erfolgloses Hardwaregeschäft machte immer mehr Verluste. Auch die Anlagefonds, mit denen er das schnelle Geld machen wollte, konnten seiner Frau und ihm nicht wirklich aus der finanziellen Misere heraushelfen. Abendliche Wutausbrüche waren an der Tagesordnung. Sein zunehmender Alkoholkonsum und seine wachsende Wut entfremdeten ihn Lara und den Kindern immer mehr und endeten schließlich in einer bitteren Scheidung. „Warum nur habe ich diese Dinge über sie vor den Kindern gesagt? Ich wusste, dass sie nicht stimmten“, gab er später gegenüber seinem Pastor zu. „Ich war derjenige, der unsere Ehe zerstört hat, nicht sie. Und nun gibt es nichts mehr, was ich dagegen tun kann.“

Gibt es Hilfe und Hoffnung in Christus für Hanna und Tim und für andere, die unter ihrer Vergangenheit leiden? Verfolgen Sie die Erinnerungen an Ihre Vergangenheit? Vielleicht gab es da eine große Sünde oder auch ein chronisch falsches Verhaltensmuster. Die Erinnerungen daran können Sie quälen und lähmen.

Wenn Sie mit Ihrer Vergangenheit kämpfen, dann sind Sie nicht allein. Hören Sie, was ein weiser Pastor wie D. Martyn Lloyd-Jones dazu zu sagen hat:

„Es handelt sich hier um jene Männer, die aufgrund ihrer Vergangenheit armselige Christen sind oder die an Depressionen leiden – entweder durch eine besondere Sünde in der Vergangenheit oder durch die besondere Form, in der sie die Sünde begingen. Ich würde sagen, dass es nach meiner Erfahrung in der Seelsorge, die sich nun über viele Jahre erstreckt, kein häufigeres Problem gibt. Es tritt immer wieder auf, und ich glaube, dass ich mich mit mehr Menschen darüber auseinandersetzen musste als über irgendeine andere Frage.“

In seinem Wort bietet uns Gott eine Lösung für dieses Problem an, das uns verfolgt – eine kraftvolle, lebensverändernde Lösung, die alles übertrifft, was wir uns vorstellen können. Was ist Gottes Antwort?


Die drei Anzeichen einer erlösten Erinnerung

Die Frage ist: Wie sollen wir unsere früheren Sünden interpretieren, damit Gottes Erlösungsplan in unserem Leben sichtbar werden kann? Das lebendige Beispiel des Apostels Paulus kann uns dabei helfen. Am Ende seines Dienstes schreibt Paulus an Timotheus, um seinen ängstlichen jungen Freund auf Gottes Stärke hinzuweisen. In 1.Timotheus 1,12-17 erinnert sich Paulus an seinen eigenen Ruf in den Dienst, der in einer Zeit stattfand, in der er die Gemeinde Jesu aktiv verfolgte. Hören Sie sein Zeugnis:

„Und darum danke ich dem, der mir Kraft verliehen hat, Christus Jesus, unserem Herrn, dass er mich treu erachtet und in den Dienst eingesetzt hat, der ich zuvor ein Lästerer und Verfolger und Frevler war. Aber mir ist Erbarmung widerfahren, weil ich es unwissend im Unglauben getan habe. Und die Gnade unseres Herrn wurde über die Maßen groß samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Glaubwürdig ist das Wort und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten, von denen ich der größte bin. Aber darum ist mir Erbarmung widerfahren, damit an mir zuerst Jesus Christus alle Langmut erzeige, zum Vorbild für die, die künftig an ihn glauben würden zum ewigen Leben. Dem König der Ewigkeit aber, dem unvergänglichen, unsichtbaren, allein weisen Gott, sei Ehre und Ruhm von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Paulus versteckt seine sündige Vergangenheit nicht; stattdessen zeigt er uns, wie er sie gemäß dem Evangelium interpretiert. Er flieht nicht vor seiner Vergangenheit, er weicht ihr nicht aus und vergisst sie nicht; er schaut sie mit Gottes Augen an. Darum endet dieser Abschnitt mit einer positiven Bilanz. Jesus rettet und verändert sogar solch große Sünder wie Paulus, und Gott wird in diesem Prozess verherrlicht. Als Paulus seine Vergangenheit mit den Augen Christi und des Evangeliums betrachtet, führt das in seinem Leben zu tieferer Buße, zu größerer Dankbarkeit und zu einem noch wirkungsvolleren Dienst an anderen.


Nachtrag zum Weiterdenken:

Wir hoffen, dass dieser Anstoß zum Nachdenken über quälende Erinnerungen dazu ermutigt, dass ihr den Dingen weiter nachgeht und sie vor Christus bringt. Es ist wichtig sich Zeit zu nehmen und zu schauen, was Jesus an uns weiter verändern möchte, damit wir ihm stetig ähnlicher werden.

Zur Reflexion:
  1. Welche Schritte würden dir die Tür zu weiterem Nachsinnen über dieses Thema öffnen?
  2. Kennst du jemanden, der dich auf diesem Weg begleiten könnte?
  3. Gibt es jemandem in deinem Umfeld, von dem du weißt, dass er von diesem ersten Impuls in Richtung Nachsinnen über dieses Thema profitieren könnte? Sende doch einen Link zu diesem Blog.

Auszüge (mit Genehmigung des 3L Verlags) aus Quälende Erinnerungen – Wie Sie mit Ihrer Vergangenheit umgehen können.

Mp3-Version des Heftes Quälende Erinnerungen

Heft #12 beim 3L Verlag bestellen: Quälende Erinnerungen

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