Hinweis vom BCC-Team: Dies ist der fünfte Teil einer Reihe von Beiträgen von biblischen Seelsorgerinnen und Seelsorgern über das, was sie in den Jahren ihres Dienstes in der biblischen Seelsorge gelernt haben. Lies Teil eins: Hayley Satrom: Überlegungen nach zwei Jahren, Teil Zwei: Deepak Reju: Überlegungen nach einem Jahrzehnt, Teil 3: Bob Kellemen: Überlegungen nach dreißig Jahren und Teil vier: Howard Eyrich: Überlegungen nach vierzig Jahren. Heute erzählt Chris Boucher, was er nach fünf Jahren als biblischer Seelsorger gelernt hat.

Meine Geschichte

Ich bin Professor für Seelsorge und Jüngerschaft am Capital Bible Seminary in Lanham, Maryland. Ich habe bisher im Reich Gottes als Seelsorger, Professor, Pastor, Jugendpastor, Jugendleiter und in vielen anderen Funktionen gedient.

Auch das Leiden diesseits von Eden ist für mich nichts Fremdes. Ich leide täglich unter schweren chronischen Schmerzen. Ein Werkzeug, das die biblischen Seelsorgerinnen und Seelsorger in ihrem Arsenal haben und das in der säkularen Welt unerreicht bleibt, ist die Hoffnung. Ich wüsste nicht, wo ich ohne die Hoffnung wäre, die das Wort Gottes in mein Leben bringt.  Gott hat mich mit einer Frau und zwei Söhnen gesegnet. Mein ältester Sohn kam mit 7 Monaten in unser Leben und wog knapp über 3,6 Kilo. Er ist jetzt 5 Jahre alt und hat die kognitiven Fähigkeiten eines 9 Monate alten Kindes. Mein persönliches und berufliches Zeugnis rühmt sich der aufrechterhaltenden Gnade Gottes, besonders wenn der eigene Sohn auf dem Weg zu einer Operation ist und halt immer die Möglichkeit besteht, dass etwas schrecklich schief gehen könnte.

Es gibt noch viel Arbeit zu tun

Die Ernte ist reichlich, aber die Arbeiter sind wenige. Ich habe gelernt, dass es noch viel zu tun gibt. Begriffe wie Magersucht, Zwangsneurose und Alkoholismus sind der Bibel fremd, aber die Kernbegriffe wie Aussehen, Kontrolle, Angst, Sorge und Götzendienst sind es ganz sicher nicht.

Wir brauchen gelehrte, beziehungsorientierte Praktiker/innen, die sich dem Verständnis der Heiligen Schrift widmen und die Menschen aus Gottes Perspektive verstehen. John Piper sagte einmal über die Bibel: „Wenn du bereit bist zu harken, wirst du nur Blätter finden, aber wenn du bereit bist zu graben, wirst du Diamanten finden.“ Wir brauchen mehr Menschen, die bereit sind, die Diamanten der Heiligen Schrift auszugraben. Ich lerne und verpflichte mich persönlich dazu, die Heilige Schrift nach robuster und beziehungsorientierter Lebensweisheit zu durchforsten.

Wir sind nicht so klug, wie wir denken

Viele leidende Menschen wenden sich in ihrem Schmerz an die Wissenschaft, weil sie annehmen, dass die Wissenschaft einfache, schnelle Antworten hat. Du gehst zum Arzt, schilderst die Symptome deines Schmerzes – sei es emotional, in der Beziehung oder körperlich – und innerhalb von fünfzehn Minuten verschreibt dir der Arzt ein lebensveränderndes Medikament. Das Problem ist gelöst! Schließlich löst Dr. Phil McGraw [eine amerikanische TV-Persönlichkeit] die meisten Probleme, die ihm vorgelegt werden, in fünfzehn Minuten – allerhöchstens in dreißig.

Durch meinen eigenen Kampf mit chronischen Schmerzen und viele Berichte von Ärzten aus erster Hand habe ich gelernt, dass es nicht so einfach ist. In meinem eigenen Leben und in meiner Seelsorge lerne ich, dass ich Gott zwar für die allgemeine Gnade der wissenschaftlichen Forschung danke, aber auch unendlich dankbar für die inspirierte und irrtumslose Heilige Schrift bin.

Wir kennen Gottes Wort nicht so gut, wie wir glauben

Mir ist klar, dass die Frage der Integration umstritten ist und auch weiterhin umstritten sein wird. Ich unterrichte einen Kurs, der sich mit der Frage beschäftigt, wo Gottes Wahrheit endet, und die Wahrheit der Welt beginnt. Schülerinnen und Schüler sagen mir oft, dass sie so ziemlich alles lesen können, was es gibt, und dass sie das, was sie lesen, durch die Brille der Heiligen Schrift „filtern“. Ich antworte auf diese Aussage mit einer unbeschwerten, aber ernsthaften Widerlegung: „Was steht in 1.Mose 23? Was steht in 2.Mose 16, 1.Samuel 4, Psalm 14, Psalm 77?“

Ich denke, du verstehst, worauf ich hinauswill. Die Schüler verstehen es sicherlich. Wie können wir die Wahrheitsansprüche, die wir von der Welt hören oder lesen, anhand von Gottes Wort beurteilen, wenn wir Gottes Wort nicht kennen? Ich nehme mir vor, das Wort Gottes kontinuierlich zu durchforsten.

Manche haben Zweifel

Leider habe ich auch gelernt, dass viele Menschen einfach kein Vertrauen in Gottes Wort haben. Ich weiß nicht immer, was ich davon halten soll, wenn Menschen mir sagen, dass sie „es mit Jesus versucht haben“ oder dass sie „den biblischen Ansatz ausprobiert haben und dieser für sie einfach nicht funktioniert hat“. Das erinnert mich an die Jünger, die sich von der Nachfolge Jesu abwandten, nachdem er gelehrt hatte, dass er das Brot des Lebens ist.

60 Viele nun von seinen Jüngern, die es gehört hatten, sprachen: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören? 61 Da aber Jesus bei sich selbst wusste, dass seine Jünger hierüber murrten, sprach er zu ihnen: Daran nehmt ihr Anstoß? 62 Wenn ihr nun den Sohn des Menschen ⟨dahin⟩ auffahren seht, wo er vorher war? 63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben; … 66 Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.“

(Johannes 6,60-66 ELB; Hervorhebung hinzugefügt)

Ich bekenne mich zu der Wahrheit, dass Jesus allein die Worte des Lebens hat, weil er das Wort des Lebens ist.

Viele haben Vertrauen in die Genügsamkeit des Christentums

Die Impulse, die von der Biblischen Seelsorge Bewegung ausgehen, machen mir ebenfalls Mut. Es gibt viele, die darauf vertrauen, dass Gottes Wort durch Gottes Geist in Gottes Volk wirkt, und das ist sehr spannend. Vorreiterorganisationen wie ACBC (früher NANC) haben den Weg für die Existenz von BCC, ABC, CCEF, FBCM und anderer großartiger Organisationen geebnet, die sich verpflichtet haben, „So spricht der HERR: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn!“ (Jeremia 6,16 ELB). Ich verpflichte mich, mein Leben und meinen Dienst auf diesem alten Weg aufzubauen, der in Gottes irrtumslosem Wort zu finden ist.

Wie geht es dir damit?

Wie könntest du dein Wissen über Gottes Wort erweitern, damit dein Vertrauen in die Genugsamkeit der Heiligen Schrift zu einer noch wirksameren biblischen Seelsorge führen kann?

 


Übersetzt mit Genehmigung der BCC. Originalartikel auf Englisch zu finden unter:

https://www.biblicalcounselingcoalition.org/2011/10/31/lessons-learned-as-a-biblical-counselor-part-five-reflections-after-five-years-of-biblical-counseling/

Die Blogbeiträge der anderen 4 Autoren sind auf der Seite des Originalartikels dieses Blogs gleich oben verlinkt.