Hinweis vom BCC-Team: Dies ist der erste Teil einer Reihe regelmäßig erscheinender Beiträge von biblischen Seelsorgern und Seelsorgerinnen bezüglich dessen, was sie in den Jahren ihres Dienstes in der biblischen Seelsorge gelernt haben. Heute erzählt Hayley Satrom, was sie nach zwei Jahren als biblische Seelsorgerin gelernt hat.

Gelernte Lektionen

Ich starrte ungläubig zu Sarah hinüber (der Name „Sarah“ ist ein Pseudonym, um die Vertraulichkeit der beschriebenen Person zu wahren).

„Ich fühle mich so viel besser“, sagte sie ganz sachlich. „Gott sei Dank, oder?“

„Genau“, nickte ich erstaunt. Wochenlang hatte diese junge Frau verzweifelt versucht, ihrem Leben ein Ende zu setzen, da sie mit schweren Wochenbettdepressionen kämpfte. Sie hatte den Willen verloren, das Bett zu verlassen, ihre Wünsche und ihre Persönlichkeit vergessen und sich sogar gefragt, ob sie wirklich eine Christin sei. Doch heute war sie frisch geduscht, geschminkt und sauber angezogen, hielt ihr Baby lächelnd im Arm und feierte mit mir, dass sie wieder Hoffnung verspürte. Sie war erleichtert. Und sie schrieb das alles Gott zu. Nicht mir, nicht ihrem Psychiater, nicht ihrem Ehemann und auch nicht ihrer Gemeinde. Sicherlich war sie dankbar für uns alle, doch ihr Lob ging letztlich an Gott.

Genau wie meins.

Meine Gnade ist genug

Ich arbeite erst seit zwei Jahren als biblische Seelsorgerin und muss zugeben, dass ich täglich neue Lektionen lerne. Manchmal sogar stündlich. Es gibt zu viele, um sie in einem einzigen Blogbeitrag zu beschreiben. Doch ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch all die Lektionen, die Gott mich in diesen ersten zwei Jahren gelehrt hat:

„Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft ist in der Schwachheit mächtig“ (2.Korinther 12,9).

Gottes Gnade – durch seinen Geist, aus seinem Wort und in seiner Gemeinde – ist ausreichend.

In nur zwei Jahren habe ich in der Seelsorge viele Dinge gesehen. Ich habe Herzschmerz, aufgeschobene Hoffnung, Wut, Traurigkeit, Verrat, Sturheit, Betrug, Trauer, Egoismus und Einsamkeit erlebt. Ich habe Depressionen, Angstzustände, bipolare Störungen, Borderline-Persönlichkeitsstörungen, verschiedene Formen des Missbrauchs, Essstörungen, ungewollte Schwangerschaften, Unfruchtbarkeit, Selbstmordgedanken, Ehestreitigkeiten und zerrüttete Familienverhältnisse erlebt.

Überwältigen dich diese Listen? Dann denk mal darüber nach, wie es mir als neuer Seelsorgerin in nur zwei Jahren ergangen ist, als ich mich mit diesen schwierigen Gegebenheiten auseinandersetzen musste!

Alleine bin ich solchen Herausforderungen nicht gewachsen. Gott sei gelobt, dass ich nicht auf mich allein gestellt bin. In vielen Fällen fühlte ich mich bei dem Versuch, diese schwierigen Situationen anzugehen, verloren. Aber Gott war nie verloren.

Als biblische Seelsorgerinnen und Seelsorger können wir uns alle darüber freuen, dass wir NICHT auf uns allein gestellt sind. Wir sind schwach und menschlich. Wir mögen mit einer guten Ausbildung und guten Instinkten gesegnet sein, aber unsere wichtigste Hilfe kommt von Gott selbst. Wie oft erinnern wir uns daran? Wie sehr stützen wir uns auf ihn? Wie sehr vertrauen wir auf Gottes Gnade?

Gott ist genug

Es ist wahr. Gott ist genug; für uns und für unsere Ratsuchenden. Wo wir dies vergessen, lauert Gefahr. Als Seelsorgerin oder Seelsorger fangen wir dann an zu glauben, dass wir für die Veränderung der Herzen unserer Ratsuchenden verantwortlich sind. Wir werden vergessen, treu für unsere Ratsuchenden zu beten und ihnen Gottes Wort nahezubringen; stattdessen werden wir uns auf unser eigenes Verständnis und unsere Taktiken stützen. Das Ergebnis wird sündiger Hochmut sein, wenn wir erfolgreich sind, und Entmutigung, wenn unsere Ratsuchenden falsche Wege einschlagen. Auch unsere Ratsuchenden werden straucheln, wenn sie auf uns und andere Formen weltlicher Weisheit als ihre letzte Hoffnung blicken und dabei von ihrem wahren Heiler, dem einzigen Retter, Jesus Christus, abgelenkt werden.

Ob frischgebackene Seelsorgerinnen und Seelsorger oder altgediente, lasst uns einander immer wieder an unsere größte Stärke in der Seelsorge erinnern:

„Wisst ihr nicht? Habt ihr nicht gehört? Der Herr ist der ewige Gott, der Schöpfer der Enden der Erde. Er wird nicht müde und nicht matt, und seinen Verstand kann niemand ergründen. Er gibt den Müden Kraft und stärkt die Schwachen“ (Jesaja 40,28-29).

Wie geht es dir damit?

Was sind die wichtigsten Lektionen, die du in den Jahren deiner Arbeit als Seelsorgerin oder Seelsorger gelernt hast?

Übersetzt mit Genehmigung der BCC. Originalartikel auf Englisch zu finden unter:

https://www.biblicalcounselingcoalition.org/2011/10/10/lessons-learned-as-a-biblical-counselor-part-one-reflections-after-two-years-of-biblical-counseling/